Trainer beim ÖBSV: Zwei für alle Fälle

Fotos (c) Privat

Die beiden Trainer Cesar Rodrigues und Leonard Vasile setzen sich mit Leib und Seele für den österreichischen Behindertensport ein. In der Entwicklung von Para-Taekwondo und E-Rolli-Fußball nehmen sie zentrale Rollen ein.

Cesar ist Head Coach im Wien Taekwondo Center, „Leo” trainiert die österreichische Auswahl im E-Rolli Fußball. Die beiden sind staatlich geprüfte Trainer und verraten uns, warum sie für ihre Sportarten brennen und erzählen von ihren schönsten Momenten im Behindertensport.

Hallo, ihr beiden. Vorstellen brauchen wir euch einander nicht, ihr kennt euch von eurer Trainer-Ausbildung bei der Bundessportakademie. Wie seid ihr zu eurem jeweiligen Sport gekommen?
Cesar: Mit drei Jahren kam ich in den Turnverein. Als ich elf Jahre alt war, sperrte dann die Geräteturnen-Sparte im Verein zu und ich wechselte zur Taekwondogruppe. Bis heute bin ich beim Taekwondo geblieben. Als ich schon aktiver Wettkampfsportler war, mit 17 Jahren, bin ich dann Co-Trainer geworden. 2004 habe ich begonnen, im portugiesischen Verband zu arbeiten und habe mich mit der Nationalmannschaft beschäftigt. Das war immer nebenberuflich, bis ich 2010 nach Österreich gekommen und dann hauptberuflich Taekwondo-Trainer geworden bin.
Leo: Ich habe früher selbst Fußball gespielt und musste meine Karriere aufgrund einer schweren Verletzung beenden. Ich wollte unbedingt dem Sport erhalten bleiben und meiner Leidenschaft nachgehen. Das geht üblicherweise als Trainer oder in einer Funktionärstätigkeit. Ein Kollege von mir hat dann das Straßenfußballprojekt „Käfig League“ ins Leben gerufen und seitdem bin ich im Trainergeschäft.

Leo Vasile ist Trainer aus Leidenschaft. Foto (c) ÖBSV/Sergiu Borcuta

Ihr seid beide zuerst im Nicht-Behindertensport als Trainer tätig gewesen. Was hat euch zum Behindertensport gebracht?
Cesar: Das kommt vielleicht von der Ausbildung, die ich gemacht habe. Wo ich herkomme, ist Parasport ein Teil des Sports. Das heißt, jeder Sportlehrer wird auch im Parasport ausgebildet und jeder Turnlehrer muss inklusiv arbeiten. So habe ich gesehen, wie Sportler und Para-Sportler zusammenarbeiten. Für mich gehört Taekwondo und Para-Taekwondo zusammen, da gibt es keine Unterschiede für mich.
Leo: Ich bin über Matias Costa (Anm. d. Red.: verantwortlich für Sportentwicklung im ÖBSV) zum Behindertensport gekommen. Wir haben uns bei der „Käfig League“ getroffen. Meine Reise im Behindertensport hat 2012 begonnen. Seit 2013 bin ich beim E-Rolli Fußball dabei und betreue unter anderem die Nationalauswahl und seit 2016 bin ich auch bei den Special Violets von Austria Wien Trainer.

Cesar Rodrigues beim Training. Foto (c) Privat

Was waren eure größten Erfolge bzw. schönsten Momente im Para-Sport?
Cesar: Ich habe viele Länder bei Weltmeisterschaften gecoacht und ein Sportler von mir war Vizeweltmeister. Das war 2014, sonst habe ich immer im Hintergrund in der Entwicklung von Para-Taekwondo gearbeitet. Ich war in der ganzen Welt ein Teil der Entwicklungsgruppe und habe das Regelwerk teilweise selbst geschrieben.
Leo: Für mich persönlich war das emotionalste Ereignis mit der E-Rolli-Nationalauswahl. Das war unser allererstes Turnier auf dieser Ebene mit Teams aus Finnland und Deutschland. Wir waren die krassen Außenseiter. In der Vorrunde haben die Finnen uns an die Wand gespielt, die waren weit über allen anderen. Und dann haben wir gegen sie im Finale gespielt. Wenn ich davon rede, kriege ich schon Gänsehaut. Die Zuschauer in der Halle haben mit uns mitgefiebert, wir sind über uns hinausgewachsen und haben das Spiel sogar 2-1 gewonnen. Am Ende hatten die Spieler Freudentränen in den Augen. Dass wir dieses Turnier gewonnen haben, war wichtig und genau zum richtigen Zeitpunkt. Das war der Anstoß für die erfolgreiche Entwicklung der Sportart in Österreich, weil dort die Leidenschaft entflammt worden ist.

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