Kein Platz für Grenzverletzungen

(c) Foto Privat

Wo beginnt sexualisierte Gewalt, wohin kann ich mich als Betroffene/Betroffener wenden und wie soll ich als Trainerin mit dem Thema umgehen? Wir haben Bettina Kratzmüller, die Beauftrage im ÖBSV zum Thema FÜR RESPEKT UND SICHERHEIT – UND GEGEN SEXUALISIERTE GEWALT getroffen und mit ihr darüber gesprochen.

Der ÖBSV hat sich mit seinen geplanten Maßnahmen einer Initiative der BSO zur Prävention sexualisierter Gewalt PSG im Sport angeschlossen und arbeitet unter dem Slogan „Für Respekt und Sicherheit“ eng mit dem Verein 100% Sport und der vom Sportministerium eingesetzten Arbeitsgruppe PSG zusammen. Die Koordination dafür leitet Bettina Kratzmüller, die neue PSG-Beauftragte des ÖBSV.

ÖBSV: Ich bin von sexueller Gewalt betroffen oder kenne Betroffene – was soll ich tun?
Kratzmüller: In beiden Fällen ist es am besten, sich direkt an eine Beratungsstelle oder Opferschutzorganisation zu wenden. Dort arbeiten Expertinnen und Experten, die für den Umgang mit dieser sehr schwierigen Situation geschult sind. Sie werden Dich bestmöglich beraten, begleiten und betreuen. Wenn Du selbst betroffen bist und diesen Schritt nicht alleine machen willst oder kannst, beziehe eine Person, der Du vertraust, mit ein. Idealerweise gibt es eine eigene Vertrauensperson in Deinem Verein oder Sportverband. Lass Dich aber auch von dieser Person nicht davon abbringen, mit einer Opferschutzorganisation Kontakt aufzunehmen, das ist sehr wichtig.

Wohin kann ich mich ganz konkret wenden?
Für den akuten Notfall gibt es Hotlines, die rund um die Uhr erreichbar sind, wie Rat auf Draht, den Frauennotruf und den Männernotruf oder die Frauenhelpline gegen Gewalt. Sind Kinder und Jugendliche betroffen, kann man die Kinder- und Jugendanwaltschaft oder die möwe – Kinderschutzzentren kontaktieren. Oft gibt es auch lokale Beratungsstellen. Eine Liste von Opferschutzorganisationen findest Du HIER.

Wo beginnt sexualisierte Gewalt?
Auf jeden Fall nicht erst bei einem direkten Körperkontakt, der von der Zielperson ungewollt ist. Sexualisierte Übergriffe beginnen bei sexueller Belästigung, das heißt schon bei persönlichen Grenzverletzungen durch Worte, wie z.B. durch sexistische Witze, anzügliche Bemerkungen, aber auch durch ungewollte Komplimente. Oder durch Zeigen von pornographischen Bildern oder durch anzügliche Gesten und Andeutungen. Die nächsten Stufen sind ungewollte Handlungen mit und ohne Körperkontakt sowie erzwungene sexuelle Handlungen wie Nötigung oder Vergewaltigung. Insgesamt geht es in allen Stufen um Machtausübung mit Mitteln der Sexualität.

Wie kann ich im Moment, wenn es gerade passiert, mit sexueller Belästigung umgehen? Wie dem Täter oder der Täterin gegenübertreten?
Ein bzw. ein mehrmaliges klares, eindeutiges, laut ausgesprochenes „Nein“ zeigt dem Täter bzw. der Täterin, dass hier eine Grenze überschritten wurde. Sind andere Personen in der Nähe, werden diese damit darauf aufmerksam gemacht, dass hier etwas nicht stimmt. Bitte diese Personen direkt um Hilfe. Eigentlich sollte es sowieso gar nicht so weit kommen, dass Du beim Sport mit einer oder mehreren unbekannten Personen alleine bist. Du und auch Deine Bezugspersonen sollten Deine Betreuerinnen und Betreuer sowie Deine Trainingsgruppe kennen. Dein Sportalltag sollte offen und transparent gestaltet sein. Auch Einzeltrainings mit Dir bekannten Personen sollten nur nach Vorankündigung und in einsehbaren Räumlichkeiten stattfinden und anderen Personen bekannt sein.

Durch die erhöhte Aufmerksamkeit, die dem Thema gewidmet wird, fragen sich besonders ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer, ob sie weitermachen sollen. Sie sind unsicher, da jede Körperberührung fehlinterpretiert werden kann und sie unter falschen Verdacht geraten können.
Ja, darauf werde ich oft angesprochen und ich kann diese Unsicherheit verstehen. Der Schutz der Sportlerinnen und Sportler sollte immer im Vordergrund stehen. Aber genauso wichtig ist der Schutz der betreuenden Personen vor falschen Anschuldigungen. Ich rate Trainerinnen und Trainern hier zu Offenheit und Transparenz. Sprecht das Thema an, bezieht die Bezugspersonen und die Gruppe mit ein. Stellt Regeln für das Miteinander im Training und Sport auf. Klärt gemeinsam, wie die eigenen Grenzen gewahrt und Grenzverletzungen thematisiert werden sollen. Dann sind notwendige und anerkannte Körperkontakte wie bei Hilfestellungen und als Ausdruck von Anerkennung, Aufmunterung oder gemeinsamer Freude klar definiert. Denn diese positiven Aspekte machen unseren Sport aus.

Wir nehmen ab sofort unter respekt@obsv.at Anregungen und Hinweise zum Thema entgegen.
Solltest du von sexueller Gewalt betroffen sein oder Betroffene kennen, HIER findest du alle Beratungsstellen, bei denen du dich anonym melden kannst.

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