Gemeinsam zu neuen Rekorden bei der Wiener Leichathletikmeisterschaft. Alle Fotos (c) OEBSV/MarkusFruehmann

Wenn Sportlerinnen und Sportler mit mentaler oder körperlicher Behinderung mit jenen ohne Handicap trainieren, bringt das alle weiter.

Seit 27 Jahren praktiziert die Sportgemeinschaft Wattens ein Erfolgsmodell: Sportler*innen mit und ohne Behinderung üben in inklusiven Gruppen gemeinsam Sport aus. Angeboten werden Leichtathletik, Skifahren, Schwimmen und Boccia. Für Obfrau Monika Steinlechner und der Tiroler Leichtathletikverband war von beginn an klar: Alle Menschen, egal welche Voraussetzungen sie mitbringen, sind willkommen: "Bei uns dreht sich alles um Inklusion, Sport ist für jeden Menschen gleich wichtig. Alle werden gleichbehandelt, es gibt nichts Trennendes", so Steinlechner. Doch welche Vorteile bringt das?

Vorurteile werden abgebaut

"Oft gibt es Stereotype oder Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderungen", so Steinlechner. Diese werden binnen kürzester Zeit beseitigt: "Jeder muss sich an dieselben Regeln halten. Neue Athlet*innen werden herzlich aufgenommen. Die persönliche Weiterentwicklung ist so für jede und jeden garantiert – sportlich wie menschlich."

Gemeinsam wird die richtige Lauftechnik erarbeitet.

Sportler*innen lernen voneinander

Falls Anweisungen der Übungsleiter*innen nicht gleich verstanden werden, hilft man sich gegenseitig: "Bei Mentalbehinderten braucht die Erklärung manchmal etwas mehr Geduld. Es kommt aber auch vor, dass Menschen mit Geistiger Behinderung so manche Übung schneller draufhaben als Körperbehinderte. Jeder bringt seine Stärken ein und hilft dem anderen, damit wir als Gruppe erfolgreich sein können", erklärt Steinlechner.

Erfolge der Kolleg*innen motivieren

"Die Sportler*innen vergleichen sich ständig und werden von den Siegen der anderen angespornt. Wenn ein*e Trainingspartner*in einen Pokal gewinnt, möchten das alle schaffen." Der Fokus in Tirol liegt aber nicht darauf, Spitzensportler zu produzieren: "Wir haben 25 Leichtathlet*innen, die an Staatsmeisterschaften teilnehmen, dort Medaillen gewinnen und Rekorde aufstellen. Trotzdem ist es unser primäres Ziel, die Gesundheit zu fördern und Selbstständigkeit außerhalb des Sports vermitteln", so Steinlechner.

Jeder bringt spezielle Fähigkeiten ein, die der Gruppe nutzen.

Zusammenhalt und Eigenverantwortung wird gestärkt

Das Gruppengefühl wird auch abseits der Sportstätten gelebt: "Wir haben Körperbehinderte, die bei Autofahrten ihre mentalbehinderten Kollegen mitnehmen. Auch bei Wettkämpfen ist die gemeinsame Anreise selbstverständlich." Da aktuell aufgrund der Corona-Pandemie kein gemeinsames Training möglich ist, unterstützt man die Mitglieder auf andere Weise: "Wir nutzen die Heimtraining-Videos des ÖBSV. Das kommt sehr gut an und wird fleißig in Eigeninitiative trainiert. Selbstverständlich stehen wir jederzeit für Tipps und Hilfestellungen parat. Aber natürlich sehnen wir dem persönlichen Wiedersehen am Sportplatz entgegen."

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