Blinden-Fußball: Ein Tor für die Geschichtsbücher

Das Bild zeigt die Blinden-Fußball-Damen-Nationalteams Österreichs und Deutschlands auf einem gemeinschaftlichen Gruppenfoto. Sie stehen auf dem Kunstrasen-Spielfeld vor der Bande und blicken in die Kamera.
Gruppenfoto: Die Damen-Nationalteams Österreichs und Deutschlands auf einem freundschaftlichen Gruppenfoto. © blindenfussball.at

Am Wochenende reiste unser Blindenfußball-Nationalteam der Frauen zu einem freundschaftlichen Turnier nach Frankreich. Unter anderem trafen unsere Kickerinnen dabei auf Deutschland.

Eine weite Reise

Knapp 12 Stunden Fahrt sind es von Wien bis nach Schiltigheim, einer 35.000 Seelengemeinde in unmittelbarer Nachbarschaft zu Straßburg. Von 24. Mai bis 2. Juni fand dort der IBSA Blind Football World Grand Prix der Herren statt, die Generalprobe für die Paralympics sozusagen. Aber nicht nur die Herren zeigten bei diesem Event den Umgang mit dem Ball, auch drei Damen-Teams trafen sich im Rahmen des Grand Prix zu einem freundschaftlichen Kräftemessen.

Österreichs Damen-Nationalteam bekam es mit unserem Nachbarn Deutschland und dem heimischen Verein, SC Schiltigheim, zu tun: „Wir bekommen in Frankreich erneut die Chance, um uns auf der internationalen Bühne zu präsentieren. Da wollen wir auf jeden Fall gut abschneiden“, zeigte sich Kapitänin Bettina Suljok vor der Abreise voll motiviert. 

Neben Sulyok traten Daniela und Angelika Angerer, Tanja Hengel, Anna-Maria Javornik und Team-Debütantin Klara Messner die weite Reise an. Asmin Traore begleitete das Team als Coach. 

SC Schiltigheim vs. Österreich

Gleich im ersten Duell trafen die Österreicherinnen auf die Gastgeberinnen. Standesgemäß nehmen die Mannschaften vor dem Spiel Aufstellung, die Bundeshymnen werden abgespielt. Beiden Teams ist anfänglich die Nervosität anzumerken. Weil die Abwehrreihen stabil stehen, finden die Angreiferinnen kaum Mittel, um wirkliche Torchancen zu kreieren. 

Es ist eine harte aber faire Partie. Erst Mitte der ersten Halbzeit kommen die beiden Mannschaften zu Torabschlüssen. Im Laufe der Partie kann sich die Torfrau der Französinnen mehrfach auszeichnen und so bleibt es beim 0:0-Endstand. „Es war ein tolles aber sehr körperliches Spiel. Wir sind mit Fortlauf der Partie immer besser geworden. Die Stimmung hier ist großartig“, zieht Sulyok nach dem ersten Spiel ein zufriedenes Fazit. 

SC Schiltigheim vs. Österreich

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Österreich vs. Deutschland

Gegen Deutschland hängen die Trauben noch einmal höher. Wieder ist es ein sehr körperbetontes Spiel. Weder die eigenen noch die Knochen der Gegnerinnen werden verschont. Die Deutschen legen gut los, haben viel Ballbesitz, unsere Damen stemmen sich mit Leidenschaft und Kampfgeist dagegen. 

8 Minuten vor Schluss knacken die deutschen Damen dann doch den rot-weiß-roten Abwehrriegel. Den ersten Schuss hält Torfrau Tanja Hengel noch gut, aber der Ball kommt umgehend wieder retour und Thoya Küster trifft aus kurzer Distanz zum 0:1. Keine 3 Minuten später ist es wieder Küster, die durch die österreichischen Abwehrreihen tanzt und zum 0:2 abschließt. Das ist die Entscheidung, Team Austria muss sich am Ende mit 0:2 geschlagen geben. „Wir haben gut gekämpft, es war über weite Strecken ein gutes aber sehr anstrengendes Spiel. In den entscheidenden Momenten war die Orientierung bei uns nicht gut“, fasst Daniela Angerer das Spiel zusammen. 

Österreich vs. Deutschland

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Deutschland vs. Österreich

Gleich am nächsten Tag hat das Team von Coach Asmin Traore die Chance auf eine Revanche. Allerdings erwischen die Deutschen einen Traumstart: Gleich mit dem ersten Angriff ist es wieder Küster, die erfolgreich zum Dribbling ansetzt und bereits nach 12 Sekunden zur Führung trifft. Nach 12 Minuten stellen die Deutschen auf 2:0. Dreimal dürft ihr raten, wer das Tor erzielt hat, richtig: Thoya Küster, nur um kurz darauf beim 3:0 den Hattrick zu schnüren. Und dann auch das 4:0 macht. Das ist auch der Pausenstand. 

Aber in der 33. Minute ist es dann so weit: Bettina Sulyok luchst Küster die Kugel ab, tankt sich bullig durch, lässt sich auch von drei Verteidigerinnen nicht aufhalten und macht souverän das 1:4. Ein historisches Tor, ist es doch das erste für das österreichische Nationalteam bei einem internationalen Turnier. Dementsprechend groß ist auch die Freude bei der Torschützin. Und es kommt noch besser: Kurz vor Schluss schnappt sich Daniela Angerer den Ball, dribbelt auf Links durch und haut den Ball unhaltbar ins rechte untere Eck. Wieder ein tolles Tor. Es bleibt am Ende beim 2:4. „Trotz der Niederlage sind wir stolz auf uns. Ich freu mich sehr für die Bettina und natürlich freue ich mich auch über mein Tor. Auf der zweiten Halbzeit können wir auf jeden Fall aufbauen“, so Daniela Angerer nach dem Spiel. 

Deutschland vs. Österreich

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Österreich vs. SC Schiltigheim

Im letzten Duell an diesem Wochenende treffen die Österreicherinnen erneut auf die Heimmannschaft. Sichtlich motiviert von den beiden Treffern gegen Deutschland gehen unsere Damen ans Werk, haben mehr vom Spiel und auch die besseren Tor-Möglichkeiten. Aber auch in diesem Aufeinandertreffen schafft keines der beiden Teams den Ball im Netz zu versenken.

Auch in einer hektischen Schlussphase gelingt weder der einen noch der anderen Seite der Lucky-Punch. Das Spiel endet 0:0-Unentschieden. „Ich bin ziemlich erschöpft, aber es war eine coole Erfahrung“, lässt Debütantin Klara Messner ihr erstes Turnier Revue passieren und plant schon in die Zukunft: „Ich bin top-motiviert, weiter hart zu trainieren und mit Österreich beim nächsten Turnier wieder was zu erreichen.“

Österreich vs. SC Schiltigheim

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