Ein Wochenende, das wie ein Kinofilm begann – und wie ein Meisterwerk endete.

Am Samstag in der Früh öffnete sich die Tür zur Halle, und es fühlte sich an, als würde der erste Akt starten.
Gut vorbereitet. Aufgewärmt. Bereit.
Das erste Kapitel: das Pairs-Spiel. Ein Einstieg ohne Zittern – wir gewannen souverän, die Bälle liefen wie am Schnürchen. Alles wirkte stimmig, fast wie ein Drehbuch, das auf unserer Seite stand.

Dann begann die Einzelreise.
Erstes Spiel gegen Nicola. Sie rot, ich blau.
Ihr Start war stark, aber meiner noch stärker – drei sichere Punkte lagen bereits, ich wollte den vierten.
Und dann passierte es: Mein Sprengball entschied, seine eigene Nebenrolle zu spielen.
Falsch abgebogen, falschen Ball getroffen – plötzlich drei Punkte für sie.
So begann das Wochenende: im Rückstand.

Doch ich drehte das Match und gewann – mit den neuen Ideen, Varianten und Taktiken, die ich mir im Sommer vorgenommen hatte.
Ich probierte in jedem Satz etwas anderes aus.
Manches gelang gut, manches weniger – aber insgesamt lief alles in die richtige Richtung.

Gegen Fritz gewonnen.
Gegen Dominik gewonnen.
Der Spannungsbogen wuchs.

Und dann das letzte Spiel des Tages: gegen Christian – frisch von den Para Youth Games in Istanbul.
Ich hatte Rot. Und mein erster Ball wollte überhaupt nicht funktionieren.
Ich kam nicht ins Spiel, rannte die ganze Zeit hinterher – und verlor.

Ein Rückschlag, wie er in jeden guten Sportfilm gehört.
Aber ich freute mich für ihn – denn Boccia ist unberechenbar. Alles ist möglich, jeder Ball kann die Geschichte drehen.
 Vielleicht war es für ihn das Zeichen, dass er auch mit mir international starten kann.  

Der Abend blieb ruhig, doch im Kopf lief der Film weiter.
Am nächsten Tag musste ich gegen Steffi gewinnen – sonst kein Finale.


🎬 Tag 2 – Der Showdown beginnt

Früh in der Halle.
Neue Buchstaben, neue Ballwahl, neue Temperatur – und neuer Fokus.


Das erste Spiel gegen Steffi – ein Herzfrequenz-Thriller

Ich startete in dieses entscheidende Spiel mit einem Puls von 76 – ruhig, konzentriert, bereit.
Doch sobald der erste Satz begann, stieg er auf 123.
Im letzten Satz, als ich alles riskieren musste und die Polen-Taktik auspackte, erreichte mein Puls 132.
Nach dem entscheidenden Punkt fiel er schlagartig auf 88 zurück –
wie ein Filmheld, der nach einem Stunt kurz durchatmet, bevor die nächste Szene beginnt.

Das Spiel war eng, spannend, taktisch intensiv.
Am Ende gewann ich – und stand im Finale.


🎬 Das Finale – der filmreife Krimi

Wieder Steffi.
Diesmal wählte ich Rot – als bewusste Entscheidung und als Statement.

Auch hier spielte mein Puls seine eigene Hauptrolle:
Ich begann das Finale mit einem Puls von 68 – ruhig wie ein Startbild.
Im Spiel stieg er auf 122, und im letzten Satz, in voller Konzentration, erreichte er den Spitzenwert von 139.
Als sie drei Bälle verfehlte, fiel er auf 94,
und nach dem Spiel schließlich auf 76 – zurück in die Ruhe nach dem Sturm.

Doch der Start war holprig:
Sie ging 1:0 in Führung
und machte im nächsten Satz direkt noch einen Punkt: 2:0 zur Halbzeit.

Ich atmete tief durch und dachte mir:

„Du hast nicht nur in Polen etwas gelernt,
sondern auch bei der Europameisterschaft in Zagreb.
Viele Gespräche, viele Szenen, viele neue Ideen.
Jetzt ist der Moment, Neues auszuprobieren –
damit du international beim nächsten Mal genauso stark bist.“

Ich spielte also eine Mischung aus Polen-Taktik, Zagreb-Erfahrung und Mut zum Risiko.
Es funktionierte:
2 Punkte – Ausgleich, 2:2.

Der letzte Satz begann.
Alles offen.
Absolute Filmspannung.

Steffi spielte lang, verfehlte, der Ball lag nicht gut –
und dann kam mein Moment.

Ein Schuss wie aus einem Highlight-Film:
IIch traf ihren Ball, er rollte weg, und mein Ball sprang perfekt vor den weißen.
So perfekt, dass sie den weißen Ball überhaupt nicht mehr sehen konnte.

Sie brauchte vier Schüsse, nur um den weißen Ball wieder sichtbar zu machen.
Und dann, mit ihrem letzten Ball, traf sie erneut nur meinen roten –
ich lag immer noch näher.

Ich hätte noch fünf Bälle übergehabt,
doch Fair Play steht über allem.
Ich nahm den einen Punkt –
und damit den Staatsmeistertitel zum sechsten Mal in Folge.
Ein halbes Dutzend.
Ein Rekord.
Ein Gänsehautmoment.


Und als wäre das nicht genug …

Ich holte auch erneut die Jahresgesamtwertung des Boccia Cups –
seit 2018 nun acht Jahre ununterbrochen an der Spitze:
2018, 2019, 2020, 2021, 2022, 2023, 2024 und jetzt 2025.

Eine Serie, die mich selbst manchmal staunen lässt.


❤️ Der schönste Teil des Films

Ein besonderer Dank geht an meine bessere Hälfte –
meine Sportassistentin, meine mentale Stütze, meine Sportpsychologin,
mein Anker in jedem Satz und jedem Ball.

Sie hat mich aufgebaut, motiviert, getragen
und dafür gesorgt, dass ich jeden Ball so spiele, wie ich es kann und in mir habe.
Mit ihr habe ich dieses Wochenende geschafft,
diesen Titel geholt,
diese Geschichte geschrieben.

Ohne sie wäre kein Kapitel dieses Films möglich gewesen.


🎯 Der letzte Gedanke dieses Filmwochenendes

Und im Boccia gilt immer:
Solange der letzte Satz nicht gespielt ist
und solange im letzten Satz nicht der letzte Ball gespielt ist,
steht das Ende nicht fest.
Im Boccia ist alles möglich. Immer.


🙏 DANKE an meine Sponsoren

Ein großes Danke auch an die We&Me Foundation und Ströck,
deren Logos ich dieses Wochenende zum allerersten Mal
mit Stolz auf meinem Trikot getragen habe.
Ein besonderer Moment – und eine Ehre.