Rollstuhl-Basketball: Historisches Jahr für Österreich

Der Jubel bei der A-EM nach dem Sieg gegen Israel war grenzenlos. Foto (c) Katja Edler

Mit dem Titel bei der B-EM und dem Viertelfinal-Einzug der A-EM hat Österreichs Rollstuhl-Basketball-Team der Männer im Jahr 2021 einmaliges geleistet.

Es ist der 8. Dezember 2021. Wenige Sekunden vor Ende des allesentscheidenden Gruppenspiels bei der A-EM in Madrid führt Österreich gegen Israel 57:56. Kapitän Matthias Wastian hat zwei Freiwürfe – doch seine Hände scheinen zittrig zu sein, beide Würfe gehen nicht durch den Korb. Es geht um viel in diesem Spiel: Der Sieger wird im Viertelfinale der EM stehen, unter den besten acht Teams Europas, und damit auch automatisch 2023 bei der A-EM antreten. Da darf auch ein routinierter Spieler wie Wastian nervös sein. Israel spielt noch einen Angriff, kommt zum Wurf, der Ball geht daneben, die Schlusssirene heult auf. Ein Augenblick entscheidet zwischen totaler Euphorie und niederschmetternder Depression – diesmal war das Glück auf der Seite Österreichs.

Foto (c) Lorenz Globits

Nicht ganz fünf Monate zuvor hat das Team den Grundstein für diesen Erfolg gelegt. Mit einem 65:54 gegen Litauen holte sich die furios aufspielende Mannschaft den Titel bei der B-EM in Athen im Peace and Friendship Stadium. 

Beide Erfolge sind kein Zufall, und beide Male lässt sich das Team nicht durch schwierige äußere Umstände aus der Ruhe bringen. Die B-EM in Athen wird, bedingt durch die Pandemie, statt 2020 im 2021 gespielt. Bei der A-EM in Madrid finden aufgrund zahlreicher positiver Covid-Fälle beide Finale - Frauen und Männer - erst gar nicht statt. Und auch im Österreichischen Team gibt es mit Rene Hernesz einen positiven Corona-Fall. Das alles mindert die großartigen Erfolge des Teams aber nicht, es zeigt vielmehr, wie stark das Team zusammensteht und Krisen - auf und abseits des Platzes - meistert. Kapitän Matthias Wastian: "Wir verstehen uns im Team sehr gut. Das macht es leichter, Ärger abzulassen, man hat mehr Verständnis für seine Mitspieler und versteht auch deren Ängste und Sorgen."

Das Team im Trainingslager in Schielleiten. Foto (c) ÖBSV

Der Weg zum Status Quo hat vor acht Jahren seinen Anfang genommen. Damals spielte Österreich noch in der Division C. Jahr für Jahr verbesserte man sich. Mit der Verpflichtung von Headcoach Malik Abes, einem Mann mit jahrelanger Erfahrung im Rollstuhl-Basketball, und der Installation von Katja Edler als Team-Managerin, wurde auch das Umfeld in den letzten Jahren professioneller.

Kapitän Wastian sieht die Mannschaft aber noch nicht am Ziel. "Wir sind weiterhin hungrig. Ja, wir sind stolz, als Team, welches fast ausschließlich ohne Profis antritt, gegen die Top-Nationen, die nur mit Profis am Start sind, phasenweise mithalten zu können. Aber wir wissen auch, dass es noch Verbesserungspotenzial gibt. Daran werden wir bis zur nächsten EM arbeiten."

Das nächste Großereignis - die A-EM - findet für Österreich im Sommer 2023 statt. 

Ganz persönlich wünscht der ÖBSV allen bei der EM erkrankten Sportlerinnen und Sportlern eine schnelle Genesung.

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