Para-Boccia: Versöhnlicher Abschied aus Zagreb

Michael Kiefler fährt in seinem E-Rolli in die Sporthalle ein, auf seinem Rolli ist eine rot-weiß-rote Österreich-Fahne montiert. Neben ihm geht seine Assistentin Marie-Therese Plass. Vor ihnen geht eine Dame mit einem Schild in der Hand auf dem Austria steht.
Verlassen Zagreb erhobenen Hauptes: Michael Kiefler mit Assistentin Marie-Therese Plass © Zagreb 2025 World Boccia European Championships

Österreichs erfolgreichster Para-Boccia-Spieler der Gegenwart, Michael Kiefler, hielt am Wochenende bei der Europameisterschaft die rot-weiß-rote Fahne hoch. Trotz des frühzeitigen Ausscheidens in der Gruppenphase trug sich der Wiener einmal mehr in die Geschichtsbücher ein.

Im Duell mit Europas Elite

Die Zagreb 2025 World Boccia European Championships vereinten vom 8. bis 16. Juli die besten Para-Boccia-Spielerinnen und -Spieler Europas. Athletinnen und Athleten aus 22 Ländern reisten in die kroatische Hauptstadt, um sich in der größten Sporthalle des Landes, der Arena Zagreb, zu messen.

Für Team Austria gingen Michael Kiefler mit Assistentin Marie-Therese Plass sowie Nationalcoach Michael Geiling an den Start. Mit Erwin Löbl war zudem ein österreichischer Schiedsrichter während des gesamten Turniers im Einsatz. Für Kiefler hatte die Einladung zum Turnier einen besonders hohen Stellenwert: “Noch vor einem Jahr war es für mich unvorstellbar, mich tatsächlich für eine Europameisterschaft im Para-Boccia zu qualifizieren. Als ich dann die Nachricht erhielt, dass ich Österreich in der BC3-Klasse vertreten darf, war das ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Die Chance, sich mit den besten Spielern Europas zu messen, war für mich Ehre, Motivation und Lernfeld zugleich.”

Michael Geiling, Michael Kiefler und Marie-Therese Plass © Privat
Michael Kiefler im Duell mit Gabriele Zendron © Zagreb 2025 World Boccia European Championships

In der Todesgruppe

Leider meinte es die Losfee im Vorfeld nicht besonders gut mit dem Wiener: "Als ich die Gruppenauslosung sah, wurde mir sofort klar: Das ist die Todesgruppe. Ich hatte bereits gegen alle Gegner gespielt – und wusste daher genau, wie stark sie sind."

Zum Auftakt wartete eine ganz besonderes Herausforderung auf den Österreicher: Mit dem Polen Damian Iskrzycki traf der Wiener auf jenen Gegner, der ihm vor zwei Wochen beim Weltcup in Polen mit einer schmerzhaften 3:4-Niederlage den letzten Nerv geraubt hatte. “Revanche” lautete daher das Motto – doch sie sollte nicht gelingen. Der Pole spielte eiskalt sein Spiel herunter und ließ dem Österreicher kaum eine Chance. Das klare 0:9 sprach eine deutliche Sprache. “Ich hielt in den ersten beiden Sätzen gut mit, riskierte dann zu viel – und verlor”, fasste Kiefler das Match zusammen.

Auch im zweiten Duell, diesmal gegen den Italiener Gabriele Zendron, fand Kiefler nicht ins Spiel. Er konnte auch in dieser Partie nie das zeigen, was eigentlich in ihm steckt. Mit einem 6:0-Erfolg machte der Italiener schon frühzeitig Kieflers Hoffnungen auf den Einzug in die Play-offs zunichte. Sichtlich enttäuscht verließ Team Austria das Feld. Doch eine letzte Chance auf einen versöhnlichen Abschied sollte es noch geben. 

Der heiß ersehnte Sieg

Mit einem Sieg gegen den Lokalmatador Toni Tomic bot sich Kiefler die Gelegenheit, als erster Österreicher überhaupt ein EM-Spiel in der Klasse BC3 zu gewinnen. Das war Motivation genug, um endlich sein volles Potenzial abrufen zu können. Mit einem souveränen 6:1-Sieg sicherte sich der Wiener seinen Platz in den Geschichtsbüchern. Trotz der beiden bitteren Niederlagen gelang somit ein versöhnlicher Abschied aus Zagreb.

Der Sprung in die Top 8 ist zwar vorerst nicht geglückt, aber Michael Kiefler wäre nicht dort, wo er ist, wenn er aus solchen lehrreichen Momenten nicht die richtigen Schlüsse ziehen würde: "Besonders wertvoll war für mich, vor Ort zu sein und alle Spiele live zu analysieren. Ich beobachtete, wie die anderen trainieren, wie sie ihre Bälle testen, welche Techniken und Taktiken sie anwenden. Es hat mir viele neue Impulse gegeben. Mein Ziel ist klar: In zwei Jahren wieder bei der EM dabei sein und Österreich als festen Bestandteil der Boccia-Community etablieren."

Wie das gelingen soll, erklärt er abschließend: “Dafür braucht es mehr Spielerinnen und Spieler, Nachwuchs und internationale Erfahrung. Boccia ist ein mentaler Sport – aus Niederlagen lernt man am meisten. Wir sind noch keine Profis, aber das Potenzial ist da. Mit Struktur, Teamgeist und Leidenschaft können wir den nächsten Schritt machen. Ich bin dankbar, dabei gewesen zu sein. Und ich bin noch lange nicht fertig.” 

Michael Kiefler im Duell mit Toni Tomic © Zagreb 2025 World Boccia European Championships
© Zagreb 2025 World Boccia European Championships
Erwin Löbl war als Schiedsrichter im Einatz © Zagreb 2025 World Boccia European Championships

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