Leichtathletik: Vier Rekorde und eine kaputte Dusche

Sportler in Rennrollstuhl mit Helm und schwarzer Sportkleidung auf Laufbahn in Startposition
Ludwig Malter legte in Nottwill gleich mehrere österreichische Rekorde auf die Bahn © Tobias Lackner

Österreichs Para-Leichtathleten waren beim World Para Athletics Grand Prix in Nottwil am Wochenende vom Pech verfolgt. Sowohl Tom Geierspichler als auch Georg Schober und Daniel Stütz gingen mit unangenehmen Blessuren in die Wettkämpfe. Einzig Ludwig Malter blieb verschont, nutzte seine Chance und lieferte starke Leistungen ab.

Vom 21. bis 23. Mai 2026 duellierte sich ein österreichisches Quartett mit internationaler Konkurrenz. Rund 450 Top-Athletinnen und -Athleten waren an diesem Wochenende in der Schweiz am Start. “Als einziger europäischer Anlass sind die ParAthletics das wichtigste Leichtathletik-Meeting in diesem Jahr auf unserem Kontinent”, erklärt Andreas Heiniger, Leiter Leistungssport bei der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung.

Furioser Malter in der Schweiz auf Rekordjagd

Rennrolli-Fahrer Ludwig Malter konnte als einziger Österreicher kräftemäßig aus dem Vollen schöpfen. Die Bewerbe „Weltklasse am See“ in Arbon und der Grand Prix in Nottwil markierten den Start seiner Bahnsaison. Der Salzburger trat in vier Disziplinen an: 400 m, 800 m, 1500 m und 5000 m.

“Nachdem ich im April beim London-Marathon dabei war, war es spannend zu sehen, wie gut die Wintervorbereitung für die Bahnbewerbe funktioniert hat. In Arbon sind die Eisheiligen gekommen, aber trotz herausfordernder Wetterbedingungen konnte ich bereits dort neue persönliche Bestzeiten und gleichzeitig österreichische Rekorde erzielen”, erzählt Malter.

In Nottwil zeigte sich das Wetter freundlicher. Dort steigerte er sich erneut deutlich und stellte in allen vier Bewerben neue österreichische Rekorde auf. “Ich freue mich über die Leistungen und darüber, dass ich den Schwung vom Marathon auf die Bahn mitnehmen konnte. Offizielle Limits gibt es noch nicht, aber mit diesen Resultaten liebäugle ich mit der WM-Qualifikation.”

Zwei Sportler in Rennrollstühlen auf einer Laufbahn in Vorwärtslage mit Helmen und Sportkleidung
© Team Urs Sigg
Mann mit rotem Sporttrikot mit Aufschrift 'AUSTRIA' und Baseballkappe macht Selfie vor einer Laufbahn mit Sportlern und Zuschauern im Hintergrund
© Privat

Schober vs. die Dusche

Kugelstoßer Georg Schober ist dafür bekannt, sportlich Mauern einzureißen. Diesmal ging es jedoch der Duschwand an den Kragen: “Ich war vier Tage in Nottwil, hatte am Donnerstag ein super Vorbereitungstraining mit einer starken Weite. Am selben Abend bin ich beim Duschen mit der Zehe hängengeblieben und habe dabei die ganze Duschwand niedergerissen”, schildert Schober.

Diagnose: Zehenprellung. Trotzdem schlug er sich im Wettkampf unter den Umständen gut und verpasste die 13-Meter-Marke nur um einen Zentimeter: “Ich konnte aus der Startposition nicht mehr richtig anschieben, daher hatte sich der Wettkampf erübrigt. 12,99 Meter sind aber eh gut, auch wenn das keine Ausrede sein soll.” Die nächste Chance lässt nicht lange auf sich warten: In zwei Wochen reist der Kugelstoßer nach Kroatien. “In Pula geht es weiter, bis dahin sollte alles verheilt sein.”

Stütz mit Bestmarken trotz Augenentzündung

Auch Daniel Stütz vom SC Breitenwang hatte mit einem Handicap zu kämpfen. Der Tiroler ging mit einer Augenentzündung in die Wettkämpfe, was besonders im Weitsprung die Orientierung erschwerte.

Trotzdem erreichte er 4,82 m und belegte Platz sechs. Auch über 200 m (29,13 Sekunden) wurde er Sechster, im 100-m-Sprint landete er mit 13,45 Sekunden auf Rang neun. “Trotz der Augenentzündung konnte ich im Weitsprung und in den Läufen meine bislang besten Leistungen im Weltcup zeigen. Bei den internationalen Deutschen Meisterschaften Ende Juni in Dresden möchte ich mich weiter steigern", so Stütz.

Athlet in rotem Trikot springt beim Weitsprungwettbewerb auf einer Laufbahn mit Sandgrube im Vordergrund
© Team Urs Sigg
Zwei Sportler im Rollstuhl mit Helmen auf einer Laufbahn, einer trägt ein oranges Shirt und zeigt Daumen hoch
© Team Urs Sigg

Geierspichler bestätigt Trend

Auch für Tom Geierspichler war der Grand Prix bereits der zweite Wettkampf in der Schweiz innerhalb kurzer Zeit. “Nach Arbon war ich sehr optimistisch, weil die Rennen gut verlaufen sind. In Nottwil hatte ich jedoch von Beginn an das Gefühl, dass sich alles etwas schwerer anfühlt – fast wie Sand im Getriebe”, so Geierspichler. Später stellte sich heraus, dass ein beginnender Harnwegsinfekt zusätzliche Energie kostete.

Trotzdem blieb das Leistungsniveau konstant hoch. Mit 65,94 Sekunden und Platz sechs über 400 Meter bestätigte er seine steigende Formkurve: “Wenn man zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison ähnliche Leistungen wie beim WM-Höhepunkt im Vorjahr abrufen kann, zeigt das, dass die Richtung stimmt und die Winterarbeit funktioniert.”

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