Klassifizierung im Fokus: Zwischen Fairness und Verantwortung

Ein Mann im Rollstuhl spricht leidenschaftlich während einer Besprechung, während eine Frau aufmerksam zuhört.
Tom Geierspichler sprach über die Klassifizierung aus Sportlersicht. © ÖBSV Baubinder

Zahlreiche Expertinnen und Experten unterschiedlicher Sportarten und Organisationen aus der heimischen Sport-Community kamen am Wochenende zusammen, um sich intensiv und konstruktiv über eines der sensibelsten Themen des Behindertensports auszutauschen: die Klassifizierung.

Ein Job mit enormer Verantwortung

Klassifiziererinnen und Klassifizierer haben eine der wichtigsten Aufgaben im Behindertensport. Und tragen eine enorme Verantwortung. Unabhängig von der Sportart begleitet die Klassifizierung alle Athletinnen und Athleten, sobald Wettkämpfe ausgetragen werden. Um faire Wettbewerbe zu ermöglichen, werden Sportlerinnen und Sportler nach Art und Schwere ihrer Beeinträchtigung in Klassen eingeteilt. 

Klassifizierung ist dabei eine eigene Wissenschaft. Da Behinderungen so unterschiedlich sind wie die Menschen selbst, ist dieser Prozess überaus komplex und anspruchsvoll. Um den fachlichen Austausch zu fördern und Kompetenzen zu bündeln, organisierte der ÖBSV am vergangenen Wochenende ein Symposium, zu dem alle relevanten Expertinnen und Experten aus ganz Österreich eingeladen waren. Dabei diskutierten die Teilnehmenden zahlreiche wichtige Punkte: Wie kann die Qualität der Klassifizierung in Österreich gesichert werden? Welche Fortbildungsmöglichkeiten gibt es? Wie kann man Aktive und Klassifizierer leichter vernetzten? Wie kann der Nachwuchs für diese Thematik begeistert werden? Die hohe Teilnehmerzahl unterstrich die Bedeutung des Themas – und bereits ab der ersten Minute entwickelten sich angeregte und tiefgehende Diskussionen.

In einem Konferenzraum sitzen mehrere Personen an rechteckigen Tischen, die in Reihen angeordnet sind. Auf den Tischen stehen grüne Glasflaschen, Notizblöcke und Stifte. Im Hintergrund zeigt ein großer Bildschirm eine farbige Präsentation mit mehreren Diagrammen und Textfeldern. Die Fensterfront ist mit dunklen Vorhängen bedeckt. Die Beleuchtung ist hell und gleichmäßig.
© ÖBSV Baubinder
Eine Person mit langen, grau-weißen Haaren und weißer Kleidung steht vor einer Präsentationsfolie und spricht zu mehreren Zuhörenden. Die Folie trägt die Überschrift 'Besonderheiten des Para Pferdesports' und enthält weitere Stichpunkte zu funktionellen Klassifikationen und intellektuellen Einschränkungen im Reitsport. Im Hintergrund ist ein Foto von zwei Pferden mit Geschirr zu sehen.
© ÖBSV Baubinder

Spannende Vorträge und wertvolle Einblicke

ÖBSV-Verbandsarzt und ausgewiesene Koriphäe auf diesem Gebiet, Heinz Zwerina, gab den Anwesenden einen umfassenden Überblick über die Grundlagen der Klassifizierung. Er erklärte, wie eine Klassifizierung abläuft und worin der Unterschied zwischen Eligible Impairments und Non-Eligible Impairments besteht.

Eligible Impairments sind anerkannte Behinderungen wie Querschnittslähmung, Amputationen, Zerebralparese oder Sehbehinderungen, die zur Teilnahme an Wettbewerben berechtigen. Non-Eligible Impairments hingegen sind Einschränkungen wie etwa Asthma, die nicht als Grundlage für eine Klassenzuordnung gelten und somit keine Startberechtigung im Para-Sport ermöglichen.

Anschließend führte Dr. Christa Walter die Teilnehmenden in die Welt der Klassifizierung im Para-Reitsport ein. Sie erläuterte, wie im Reitsport klassifiziert wird und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um selbst als Klassifiziererin und Klassifizierer tätig zu werden.

Anschließend entwickelte sich ein aufschlussreicher Austausch innerhalb der Gruppe, bei dem die unterschiedlichen Klassifizierungsprozesse der jeweiligen Sportarten miteinander verglichen wurden.

Kritik aushalten und Verantwortung übernehmen

Am Samstag war Winnie Timans vom Deutscher Behindertensportverband per Videokonferenz zugeschaltet und gab einen weiteren spannenden Einblick in die Klassifizierungsarbeit in Deutschland.

Ein Highlight bildete der Beitrag von Paralympics-Sieger Tom Geierspichler, der die Klassifizierung aus Sicht der Athleten beleuchtete. Dabei sprach er offen über systematischen Betrug auf internationaler Ebene: Sportlerinnen und Sportler würden sich bewusst falsch einstufen lassen, um bei Großevents Medaillen zu gewinnen. 

Als Beispiel schilderte er einen Kollegen, der plötzlich auftauchte, einen Weltrekord nach dem anderen aufstellte und dabei offensichtlich in einer für ihn zu leichten Klasse startete. Hier nimmt Geierspieler die Klassifiziererinnen und Klassifizierer besonders in der Pflicht, noch genauer hinzusehen, schneller zu agieren und auch Kritik mächtiger Akteure – seien es Verbände oder ganze Nationen – standzuhalten.

ÖBSV Baubinder
© ÖBSV
Eine Teilnehmerin sitzt hinter einem Tisch und diskutiert, während die anderen Teilnehmer gespannt zuhören
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Ein Herr in grünem Pullover hat sich von seinem Platz erhoben und spricht an das Symposium. Rund um ihn hören mehrere Teilnehmer aktiv zu.
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Eine Person mit hellblondem Haar sitzt an einem Tisch und trägt einen fliederfarbenen Pullover. Eine weitere Person steht daneben und trägt einen pastellfarbenen Pullover mit Blumenmuster sowie ein Namensschild. Im Hintergrund sind dunkle Vorhänge und ein Fenster zu sehen. Auf dem Tisch liegen verschiedene Gegenstände, darunter ein Laptop und Papier.
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Eine Person steht in einem Konferenzraum und hält einen Vortrag. Sie trägt einen bunten Schal und eine dunkle Jacke. Auf den Tischen liegen verschiedene Gegenstände, darunter eine grüne Flasche und Papier. Im Hintergrund sind Vorhänge und Fenster zu sehen. Die Szene zeigt eine typische Seminar- oder Tagungssituation.
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Mehrere Personen sitzen an einem Tisch in einem hellen Raum. Auf dem Tisch liegen Wasserflaschen, ein Becher und Notizblätter. Eine Person trägt ein Namensschild und gestikuliert mit den Händen, während sie spricht. Die anderen Personen hören zu oder machen sich Notizen. Im Hintergrund sind große Fenster mit hellen Vorhängen zu sehen.
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Mehrere Personen sitzen an rechteckigen Holztischen in einem Konferenzraum. Einige zeigen mit den Händen, andere haben die Arme verschränkt. Auf den Tischen stehen Wasserflaschen, Gläser, Getränkedosen und Notizblöcke. Im Hintergrund sind große Fenster mit hellen Vorhängen zu sehen. Die Atmosphäre wirkt sachlich und konzentriert.
© ÖBSV Baubinder

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