Heike Koller: Du musst deinen Sport suchen

Heike Koller 2020 bei der Überreichung des Bronzenen Diskuswerfers zur Ehrung als steirische Behindertensportlerin des Jahres. Foto (c) GEPA

Heike Koller ist die neue Vorsitzende des Kompetenzgremiums Rollstuhlsport. Welche Ziele sich die mehrfache Staatsmeisterin im Rollstuhl-Tischtennis und WM-Medaillen-Gewinnerin dabei gesetzt hat, erzählt sie uns im Interview.

ÖBSV: Heike, du bist gelernte Krankenschwester, Athletik-Trainerin, Tischtennis-Instruktorin und Behindertensport-Übungsleiterin, dazu national und international sehr erfolgreich im Rollstuhl-Tischtennis unterwegs und jetzt Vorsitzende des Kompetenz-Gremiums Rollstuhlsport. Wie ist dir das alles passiert?
Heike Koller: Ich hatte 2006 einen Autounfall, seit damals habe ich einen Querschnitt. Davor hatte ich als Krankenschwester in der Rehaklinik Bad Tatzmannsdorf gearbeitet. Nach dem Unfall wollte ich wissen, was mein Körper aushält, was ich mir zumuten kann und habe deshalb alle möglichen Sportarten – vom Rollstuhl-Basketball bis zum Rafting – ausprobiert. Am Ende war es Tischtennis, was mir am besten gefallen hat.

Warum dieses Austesten?
Einerseits, weil ich alleinerziehende Mutter einer elfjährigen war und so schnell wie möglich zurück ins "normale" Leben wollte, anderseits, weil ich als Krankenschwester in einer Reha-Klinik wusste, dass man seinen Körper neu erfahren muss, um zu wissen, was man sich wieder zutrauen kann.

Heike beim Tischtennis - um erfolgreich zu sein, muss man Tischtennis- und Rollstuhltechnik beherrschen. Foto (c) ÖBSV/Klaus Althuber

Seit Ende 2021 bist du die neue Vorsitzende im Kompetenzgremium Rollstuhlsport. Durch deinen vielfältigen Background bist du für den ÖBSV die ideale Besetzung. Welche Ziele hast du dir gesteckt?
Jeder und jedem die bestmögliche Beratung bei der Suche nach ihrem und seinem Sport zukommen zu lassen und sie dort hin zu vermitteln, wo sie den gewünschten Sport ausüben können. Beim Rollstuhlsport geht es einerseits darum, verschiedene Sportarten einmal auszuprobieren. Dazu braucht es aber meist auch einen eigenen Rollstuhl oder Sportgerät. Wer vernünftig Rollstuhl-Basketball spielen will, soll dies in einem dafür gebauten Rollstuhl machen können. All diese Sportgeräte kosten viel Geld. Dafür brauchen wir eine Plattform und müssen uns vernetzten, um diese Sportgeräte und Rollstühle bei Schnuppertagen zur Verfügung stellen zu können.

Du selbst spielst seit Jahren sehr erfolgreich Tischtennis, davon zeugen internationale und nationale Titel und Medaillen. Warum wurde es bei dir Tischtennis?
Weil ich diesen Sport jederzeit und mit jedem ausüben kann. Das war und ist mir wichtig. Tischtennis ermöglicht mir das.

Koller: "Tischtennis ist für jeden, egal ob mit oder ohne Behinderung ob jung oder alt!" Foto (c) ÖBSV/Sergiu Borcuta

Der Sport bestimmt deine berufliche Laufbahn – wo und als was bist du tätig?
Ich bin Obfrau des steirischen Rollstuhl-Tischtennis-Referats im steirischen Verband. Dazu habe ich eine Ausbildung als Instruktorin Tischtennis, Athletik-Trainerin und Behindertensport-Übungsleiterin.

Du hast vor deiner Verletzung als Krankenschwester gearbeitet. Was ist dir davon geblieben?
Ich halte Vorträge an Fachhochschulen und Unis, da spannt sich der Bogen von der Sportuni bis zur Pädag. Thema ist Querschnitt und der Umgang mit Menschen mit Behinderung. Da kann ich meine Erfahrungen als Krankenschwester und Mensch bzw. Sportlerin im Rollstuhl weitergeben.

Heike, wir heißen dich nochmal herzlich als neue Vorsitzende des Kompetenzgremiums Rollstuhlsport willkommen und sagen danke für das Interview.

Ihr habt Fragen an Heike? Schreibt eine Email an kg-r(at)obsv.at

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