Die WM war mein Gänsehaut-Moment

Foto (c) Markus Frühmann

Para-Sprinter Alexander Pototschnig beendet seine Karriere. Dem Sport wird er treu bleiben – sogar mit dem Speer in der Hand.

Der 22- jährige Para-Sprinter Alexander Pototschnig ist mehrfacher Goldmedaillen-Gewinner und konnte schon als 18-jähriger bei der Leichtathletik WM 2017 in London den 6. Platz erreichen. Anfang 2021 musste er sich zwischen Beruf und Leistungssport entscheiden. Wir haben nachgefragt, warum die Arbeit Vorrang hat und wie er dem Sport erhalten bleibt. 

Hallo Alexander, du kannst auf eine erfolgreiche Karriere in den Disziplinen 100, 200 und 400 Meter zurückblicken. Gibt es einen Moment in deiner Karriere, an den du besonders gerne zurückdenkst?
Mein absolutes Highlight war definitiv die Teilnahme an der Leichtathletik WM in London 2017. Ich war in der Form meines Lebens, hatte davor super trainiert und Bestzeiten auf der Bahn abgeliefert. Das Publikum und die Stimmung im Stadion waren unglaublich motivierend, ich bekomme heute noch Gänsehaut davon.

Wie lief es dann bei der WM sportlich?
Es war wie gesagt mein bestes Event. Mein großer Wunsch war es, mich für einen Finallauf zu qualifizieren. Im Vorlauf habe ich ein super Rennen hingelegt und mir gedacht, dass da vielleicht noch mehr gehen könnte. Es hat mich so unglaublich stolz und glücklich gemacht, dass ich über 200m und 400m im Finallauf dabei war und in beiden Läufen sogar meine persönliche Bestzeit aufstellen konnte – Bestmarken die heute noch stehen.

Foto (c) Stefan Voitl

Wie siehst du die Entwicklung des Para-Sports in Österreich?
Der Para-Sport in Österreich hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Es wird von Jahr zu Jahr größer und besser. Das merke ich vor allem am steigenden öffentlichen Interesse an unserem Sport. Es gibt auch immer mehr Förderungen und sogar die Möglichkeit als Para-Athlet am Heeressport-Programm teilzunehmen. Auch international gibt es immer mehr Profisportlerinnen und Profisportler. Ich denke, dass die öffentliche Arbeit in den sozialen Medien einen großen Beitrag dazu geleistet hat.

Das hört sich nach einer schönen und erfolgreichen Zeit im Leistungssport an. Warum trittst du zurück?
Leistungssport und Beruf – ich arbeite bei Ottobock als Service-Techniker für Armprothesen – lassen sich zeitlich nicht mehr unter einen Hut bringen. Nach der Arbeit habe ich vier- bis fünfmal am Abend trainiert, da bleibt dir nicht genug Zeit für die Regeneration. Ich wollte einfach nicht beides bloß halb machen.

Hätte es eine Möglichkeit gegeben, weniger zu arbeiten?
Ja, durch die Aufnahme in das Heeresport-Programm. Das hat sich aber durch Corona verschoben und war keine Perspektive mehr für mich. Zusammen mit dem finanziellen Aspekt ist mir dann alles einfach zu knapp geworden und ich wusste, dass ich mich entscheiden muss.

Foto (c) Markus Frühmann

Wie sieht es mit deiner sportlichen Zukunft aus?
Also einen Schlussstrich ziehe ich definitiv nicht. Ich trete nur vom Leistungssport zurück, dem Sport bleibe ich bestimmt erhalten. Ich möchte weiterhin an nationalen Events teilnehmen und auch neue Sportarten wie Weitsprung, Hochsprung und Speerwurf ausprobieren.

Und wie geht’s jetzt für dich beruflich weiter?
Ich möchte mich in nächster Zeit voll und ganz auf meine berufliche Karriere bei Ottobock konzentrieren. Ich bin schon für mehrere Produkte verantwortlich und kümmere mich auch um Nebenstellen. Es macht mir Spaß, Arbeitsprozesse zu optimieren und aktiv Verantwortung zu übernehmen – ich bin überzeugt davon, dass mich das in meiner Karriere weiterbringen wird.

Gibt es jemanden, bei dem du dich besonders bedanken möchtest?
Besonders dankbar bin ich meinem Trainer, Herwig Grünsteidl, und meinem Vater, der das alles überhaupt erst möglich gemacht hat. Dem ÖBSV und allen voran Andrea Scherney, ohne die wäre es niemals so gut gelaufen. Beim Sportcenter Niederösterreich, die mich immer beim Training unterstützt haben. Und meinem Arbeitgeber, Ottobock, der immer auf meiner Seite war.

Foto (c) Markus Frühmann

Alexander Pototschnig
Geburtsdatum: 2. August 1998
Startklasse: T47 – „Fehlen einer Hand“
Disziplin: Sprint - 100m, 200m und 400m
Größte Erfolge:
3x Gold bei IWAS Junior World Games 2015
Gold bei Internationalen Deutschen Meisterschaften 2016
2x Bronze und 1x Silber bei Para-Junioren-Leichathletik-WM 2017
6. Platz und 7. Platz bei Leichtathletik-WM 2017

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