Der Traum vom schwarzen Gurt

Soufiene und Trainer Cesar Valentim. Alle Fotos (c) Privat

Soufiene Dhifallah wurde dank Para-Taekwondo vom Computerspieler zum Behindertensportler.

Taekwondo erfreut sich unter Behindertensportlerinnen und -sportlern immer größerer Beliebtheit. So auch bei Soufiene Dhifallah: Der 15-jährige Wiener hat eine schwere kognitive Entwicklungsstörung mit Intelligenzminderung und eine starke Skoliose (eine seitliche Krümmung der Wirbelsäule). Als Unterstützung seiner Ergotherapie suchte seine Mutter Elisabeth eine Sportart als Ergänzung: "Ich habe vor zwei Jahren durch einen Flyer über das Angebot des Vereins Wien Taekwondo erfahren. Soufiene war nach dem Probetraining begeistert und wollte unbedingt weitermachen."

Soufienes Head Coach ist Cesar Valentim. Er hat die Sportart nach Österreich gebracht: "2010 bin ich nach Wien gezogen und war  überrascht, dass es noch kein Angebot dieser tollen Sportart für Menschen mit Behinderung gibt. 2013 begann ich deshalb, mit der Hilfe des ASKÖ WAT, Mentalbehinderte und Rollstuhlfahrer zu unterrichten. Heute trainieren mehr als 30 Para-Taekwondos mit unterschiedlichen Behinderungen regelmäßig bei uns."

Respekt vor den Teamkollegen ist bei den Kämpfen das Um und Auf.

Die Kampfkunst eignet sich hervorragend als Parasportart, so Valentim: "Bei Taekwondo liegt der Fokus auf der Zusammenarbeit zwischen Körper und Geist. Neben den physischen Einheiten gibt es auch Meditationstraining sowie Geschichts- und Kulturunterricht. Man lernt sogar ein bisschen die koreanische Sprache. Man kann hier optimal auf die Behinderungen Rücksicht nehmen und das Training danach adaptieren."

Soufiene hat von diesem ganzheitlichen Ansatz enorm profitiert, schildert Mutter Elisabeth: "Motorisch ist durch das Zusammenspiel aus Balance, Konzentration und Koordination sehr viel weitergegangen. Mein Sohn trainiert drei bis viermal die Woche und hat insgesamt 37 Kilo abgenommen. Seine Therapeuten und Ärzte waren über seine Fortschritte begeistert."

Soufiene und seine Trainingsrunde bei Wien Taekwondo auf der Schmelz.

Für die bestmögliche Betreuung der inklusiven Gruppen gehen die fünf Trainer besonders auf ihre Sportler ein, so Valentim: "Jeder wird bei uns gleichermaßen respektiert, die Übungen werden an die Bedürfnisse der Sportlerinnen und Sportler angepasst. Es wird sehr darauf geachtet, dass jede und jeder sein eigenes Tempo durchziehen kann. Wir hören auf die Wünsche unserer Schützlinge, denn sie wissen genau, wozu sie fähig sind. Dadurch lernen nicht nur sie von uns, sondern auch wir von ihnen."

Der Trainer traut Soufiene eine noch größere Entwicklung zu: "Am Anfang war er sehr schüchtern und hatte Probleme mit seinem Übergewicht. Durch das fleißige Training wurde er zum Sportler und hat viel Selbstbewusstsein getankt. Er bringt sich aktiv in die Einheiten ein und unterstützt seine Teamkollegen und uns Trainer. Ich bin mir sicher, dass er noch viele Jahre weitermachen und eines Tages den schwarzen Gurt erhalten wird."

"Wir haben Meister Cesar und dem Trainerteam sehr viel zu verdanken. Von ihrer Unterstützung wird er sein gesamtes Leben profitieren", so Mutter Elisabeth, die empfiehlt: "Alle Menschen mit Behinderung sollten Para-Taekwondo ausprobieren."

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