Boccia: Niemals aufgeben

Boccia-Spielerin Steffi Proßegger nutzt einen Stab um den Ball, der in der Rinne platziert ist, anzustoßen.
Steffi Proßegger beim ÖBSV Cup in Schärding © ÖBSV Baubinder

Steffi Proßegger ist eine der großen Zukunftsaktien im Para-Boccia. Die Senkrechtstarterin legte in kürzester Zeit eine beeindruckende Karriere hin, die sie auf die internationale Bühne und bis in die Top 3 bei Wiens Wahl zur Sportlerin des Jahres mit Behinderung führte.

Ein neuer Stern am Boccia-Himmel

Wer sich mit Para-Boccia in Österreich auseinandersetzt, weiß, dass die Qualität in den vergangenen Jahren vor allem in der Klasse BC3 stark gestiegen ist. Allen voran Michael Kiefler hob das Niveau mit seinen Leistungen auf ein neues Level. Doch im Windschatten des Wieners lauern neue Talente. Eines davon ist Steffi Proßegger. Die 39-Jährige machte in den vergangenen Jahren national wie international mit eindrucksvollen Ergebnissen auf sich aufmerksam.

Steffi Proßegger lebt seit 20 Jahren in Wien, studierte Medieninformatik und Visual Computing an der TU Wien und kümmert sich beruflich um Finanzen und Personal eines Unternehmens, das sich für nachhaltige gesellschaftspolitische Veränderung im künstlerischen Bereich einsetzt. In ihrer Freizeit ist sie vor allem kreativ unterwegs, liebt das Malen und hatte 2020 bereits eine eigene Ausstellung. 

Proßegger beim Boccia-Weltcup in Polen 2024 © Thomas Szwajkowsk
Team Austria beim Weltcup in Polen 2025 © Poznan 2025 World Boccia Challenger

Vom E-Rolli-Fußball zum Boccia

Ihre erste sportliche Leidenschaft fand sie im E-Rolli-Fußball. Dort lernte sie auch Michael Kiefler kennen. 2019 musste sie aus gesundheitlichen Gründen eine Pause einlegen. Die Corona-Pandemie trug ihren Teil dazu bei, dass sich diese Pause unfreiwillig verlängerte. „Mir ging der Sport sehr ab und ich hatte Lust, etwas Neues zu versuchen“, erzählt Proßegger. 2022 probierte sie auf Empfehlung Kieflers Boccia aus – mit Erfolg: „Mir hat Boccia von Anfang an gut gefallen. Vor allem ist es ein guter Ausgleich zum Alltag.“

Die Kugeln laufen gut, Proßegger merkt, dass sie Talent hat. Vor allem aber war ihr Ehrgeiz geweckt. Bald stellten sich gute Ergebnisse bei Wettkämpfen ein – womit sie selbst nicht gerechnet hatte: „Es ist alles sehr schnell gegangen. Ich hatte anfangs keine eigene Rinne, die ich mir erst später zugelegt habe. Auch meine eigenen Kugeln habe ich erst später gekauft. Trotzdem waren die Leistungen sehr gut.“

Internationale Talentprobe

Ihre Leistungskurve zeigt steil nach oben: Im Februar 2024 kürt sie sich zur Wiener Landesmeisterin. Im April desselben Jahres gibt sie beim World Boccia Challenger in Zagreb ihr internationales Debüt. Zwar gelingt ihr bei der Premiere auf internationalem Niveau noch kein Einzel-Sieg, doch auch das sollte sich schnell ändern: „Ich habe in Zagreb gemerkt, dass das Potenzial da ist, aber die Erfahrung noch fehlt. Ich war nicht so weit weg von den Top-Spielerinnen.“ Im Team gelingt ihr gemeinsam mit Michael Kiefler in Zagreb dennoch der erste Erfolg gegen internationale Konkurrenz – gegen die Slowakei.

Im Juli 2024 sollte es dann auch im Einzel klappen: Im Duell mit Laura Utero beim World Boccia Challenger in Posen zeigt Proßegger, dass sie auf die große Bühne gehört, und gewinnt ihr erstes internationales Spiel mit 3:2. Zwar verpasst sie das Viertelfinale knapp, holt aber gemeinsam mit Michael Kiefler im Team sensationell die Bronzemedaille.
Ein Jahr später, im Sommer 2025, gelingt Proßegger in Posen schließlich auch der Einzug ins Viertelfinale – ihr bislang bestes Einzelergebnis.

Boccia Weltcup in Zagreb 2024 © Thomas Szwajkowsk
Bronze beim Weltcup in Posen 2024 © Privat

Duell um den Staatsmeistertitel

Auch auf heimischem Terrain macht sie ihrem Team-Partner Michael Kiefler immer stärkere Konkurrenz. Gleichzeitig weiß sie zu schätzen, dass ihr großer Konkurrent ihr stets mit Rat und Tat zur Seite steht: „Michael und ich sind gute Freunde, kennen uns schon sehr lange. Mit ihm zu trainieren und im Team zu spielen, hilft mir enorm.“

Dennoch will sie Kiefler die Verteidigung des Staatsmeistertitels im kommenden Juni nicht zu leicht machen: „Ich war heuer im Finale gegen Michael schon knapp dran zu gewinnen. Ich lag zur Halbzeit vorne, habe den Vorsprung aber nicht halten können. Ich habe wieder viel aus dem Finale mitnehmen können und weiß, was ich in Zukunft anders machen muss. Mein Ziel ist auf jeden Fall, Staatsmeisterin zu werden.“

Top 3 bei der Wien-Wahl

Proßeggers Leistungen blieben auch außerhalb der Boccia-Szene nicht unbemerkt: Bei Wiens Wahl zur Sportlerin des Jahres mit Behinderung wurde sie unter die besten drei Athletinnen gewählt: „Damit hatte ich nie gerechnet. Ich war gemeinsam mit Katrin Neudolt unter den besten drei – einer super erfolgreichen Sportlerin. Es war eine riesige Ehre, dabei zu sein“, erzählt sie.

Die Planungen für 2026 laufen bereits. Wohin die Reise geht, steht noch nicht ganz fest: „Ich will auf jeden Fall wieder in Polen beim Challenger gute Leistungen zeigen, aber auch auf nationaler Ebene so gut wie möglich spielen. Bis dahin heißt es: fleißig trainieren.“

Für Proßegger ist ihr Umfeld – privat wie sportlich – ein wesentlicher Rückhalt: „Ich lebe selbstbestimmt mit persönlicher Assistenz. Ohne meine persönliche Assistentinnen und Assistenten wäre mein Alltag nicht möglich. Auch bei Boccia sind die Rinnenassistentinnen eine sehr wichtige Unterstützung.“

Ihr abschließender Rat an alle Sportlerinnen und Sportler ist gleichzeitig ihr Motto: „Niemals aufgeben.“

Bei der großen Gala Sportstars im Rathaus 2025 © Stefan Burghart

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