Boccia: Als Schiedsrichter um die Welt

Florian Silbernagl (r.) ist ÖBSV Schiedsrichter-Referent und einer von drei internationalen Boccia-Schiedsrichtern Österreichs (v.l.n.r. Erwin Löbl, Michael Geiling und Florian Silbernagl) Alle Fotos (c) Boccia-CP Österreich

Florian Silbernagl ist Boccia-Schiedsrichterreferent beim ÖBSV. Seine Leidenschaft für den Sport hat den Tiroler bereits rund um die Welt geführt.

Florian Silbernagl bekleidet eine besondere Rolle im Verband: Er ist Boccia-Schiedsrichterreferent beim ÖBSV. Eine sehr spezielle Aufgabe, die viele Know-how und Einsatz erfordert. Wie es dazu kam, erzählt uns der sympathische Tiroler im Interview:

Servus Florian, wie bist du zum Para-Boccia gekommen?

FS: 2016 habe ich im Zuge des Zivildienstes in einer Behinderten-Einrichtung gearbeitet. Wir haben im Rahmen der Physiotherapie auch immer wieder Boccia gespielt. Daraus hat sich ein regelmäßiges Boccia-Training entwickelt und ich habe unsere Spielerinnen und Spieler dann auch zu drei bis vier Turnieren im Jahr begleitet. Nachdem ich mit dem Zivildienst fertig war, gab es niemanden, der die Boccia-Gruppe weiterhin betreut hätte. Also hab ich ehrenamtlich weitergemacht und zu zweit haben wir dann Trainings in Tirol veranstaltet.

Wie war dein Werdegang vom Trainer zum Schiedsrichter?

FS: Wir haben uns damals gedacht, wenn wir schon die Trainings organisieren und die Teams begleiten, wäre die Schiedsrichter-Ausbildung sicherlich keine schlechte Idee. Dabei gibt es drei verschiedene Ebenen: fürs Bundesland, national und international. Wir haben die Wochenenden genutzt, um in Wien die nationale Schiedsrichter-Ausbildung zu machen.

Du hast auch die internationale Schiedsrichter-Ausbildung, wie kam es dazu?

FS: Als der ÖBSV beschloss, Boccia als Schwerpunkt-Sportart zu fixieren, fehlte ein Schiedsrichter mit internationaler Lizenz. Unsere heimischen Athletinnen und Athleten sollen wieder vermehrt an internationalen Bewerben teilnehmen. Da ist es sicher ein Vorteil, Schiedsrichter mit internationaler Ausbildung und Erfahrung in den eigenen Reihen zu haben. Also wurde ich gefragt, ob ich Lust dazu hätte. 2019 fand die Ausbildungswoche in Portugal statt, das war schon extrem lässig. Mittlerweile fahre ich ein bis zweimal im Jahr auf internationale Turniere wie z.B. nach Dubai oder heuer nach Polen. Dort trifft man immer dieselben, netten Leute. Die Boccia-Community ist super.

Wie sieht deine Arbeit im Verband aus?

FS: Ich trainiere einmal die Woche die Aktiven aus Tirol, bin bei fast allen nationalen Turnieren dabei, als Schiedsrichter, aber oft auch in anderer Funktion. Man muss da flexibel sein. Bei Turnieren geht es oft um einfache Dinge wie das Organisieren der Wurstsemmeln oder das Helfen beim Erstellen des Spielplans. Dank meiner Ausbildung darf ich neue Schiedsrichter ausbilden, ich halte Fortbildungen zu Trainingsmethoden und Reglements, national wie international.

Wie unterscheiden sich nationale und internationale Turniere?

FS: Bei den internationalen Turnieren dauert alles viel länger und alles ist deutlich strenger geregelt. Vor jedem Spiel werden die Kugeln abgemessen und abgewogen. Jeder/m Athletin bzw. Athleten werden eigene Plätze zum Aufwärmen und Einspielen zugewiesen. Unsere Boccia-Szene ist noch sehr überschaubar, da finden sich alle selbst ein Plätzchen.

Was macht die Faszination der Sportart für dich aus?

FS: Die Spieler und Spielerinnen sowie deren Betreuerinnen und Betreuer sind allesamt nette, freundliche Leute. Wir kennen einander und helfen zusammen. Es herrscht ein entspannter, respektvoller und lockerer Umgang. Das ist auch für uns Schiedsrichter angenehm, weil alle einfach nur Boccia spielen wollen. Es gibt keine Diskussionen, keine Regelverstöße oder Ähnliches. Alle sind froh, dass sie gemeinsam Sport machen und das funktioniert prächtig.

Immer ein Auge aufs Geschehen: Mit Hausverstand und Fingerspitzengefühl leitet Florian Silbernagl die Partie.

(ÖBSV 2023)

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