34 Jahre Behindertensport mit Spaß und Begeisterung

Alle Fotos (c) Privat

Sein halbes Leben lang ist Werner Steindl Trainer und Funktionär im Behindertensportverein Spittal/Drau. Zum 70. Geburtstag wirft der Kärntner einen Blick zurück.

Am 27. Juni war es soweit: Werner Steindl, ein Trainer- und Funktionärsurgestein im Behindertensport, feierte seinen 70er. Der sympathische Kärntner engagiert sich schon fast sein halbes Leben dafür, dass Menschen mit körperlichen und mentalen Beeinträchtigungen Sport treiben können. Begonnen hat alles im Behindertensportverein Spittal/Drau (ÖBSV-Kontakt-Seite). Steindl will seine Begeisterung für den Sport, die er beim Laufen im Wald, Schwimmen im Millstättersee oder ausgiebigen Radtouren auslebt, als Trainer an andere Menschen weitergeben. Während einer Schwimmeinheit kommt eine Frau mit Behinderung auf Steindl zu und bittet ihn, sie zu trainieren.

Steindl sagt sofort zu und wird von seiner neuen Aufgabe in Bann gezogen: "Mir hat die Arbeit vom ersten Moment an viel Spaß gemacht. Schnell waren wir eine Gruppe von vier Personen und haben uns wöchentlich zum Schwimmtraining getroffen. Sofort war klar: Es gibt einen enormen Bedarf." Seine Motivation und das neue Angebot sprechen sich herum, immer mehr BehindertensportlerInnen kommen zu den Trainings in die Schwimmhalle.

Eines ist Steindl besonders wichtig: Jede und jeder Sportinteressierte soll mitmachen können: "Wir trainieren mit allen Behinderungsklassen und verschiedenen Altersgruppen. Teilweise legen unsere Sportler weite Wege zurück. Wir haben einen 14-Jährigen aus Tainach in Unterkärnten, der fährt rund 100 Kilometer pro Strecke. Das ist einfach toll, dass er diese Anreise in Kauf nimmt um dabei zu sein", so Steindl.

Viele Sportlerinnen und Sportler kommen von Institutionen wie Rettet das Kind, der Lebenshilfe oder autArK zum Verein, um Sport zu treiben. Die Jugendlichen zweimal, die Routiniers einmal pro Woche. 2010 folgt eine Erweiterung des Sportangebots: "Ich habe bei einigen meiner Athletinnen und Athleten großes Lauftalent entdeckt und deshalb Leichtathletiktraining ins Programm aufgenommen. Das funktioniert super: Manche Teilnehmer laufen bis zu vierzig Kilometer am Tag."

Der 70-Jährige ist über die vielen Jahre einer speziellen Philosophie treu geblieben: "Wir haben je nach Level verschiedene Trainingsgruppen und arbeiten leistungsorientiert. Der Spaß und die Begeisterung sind aber das Um und Auf. Wir nehmen an österreichischen Staatsmeisterschaften und Veranstaltungen von Special Olympics teil. Unsere Sportlerinnen und Sportler konnten über 170 Staatsmeistertitel erringen, das macht mich sehr stolz."

Eine Veranstaltung hat Steindl sogar selbst ins Leben gerufen: "20 Jahre lang habe ich das Internationale Alpen-Adria-Schwimmen veranstaltet. Schwimmer aus Italien, Kroatien, Slowenien, Deutschland und der Schweiz sind gegen unsere Leute geschwommen, das war wirklich wunderschön. Solche Veranstaltungen eignen sich perfekt als Ziele, auf die man hinarbeiten kann."

Apropos gemeinsam: Die Gemeinschaft ist ein großer Erfolgsfaktor im Sportkonzept des Vereins, so der Kärntner: "Wir essen nach den Trainings gemeinsam und haben wunderbare Gespräche. Das taugt allen, jeder ist auf gleiche Art und Weise eingebunden. Jeder freut sich auf dieses Beisammensein und das ist die beste Form der Inklusion."

Ein einzelnes Highlight möchte Steindl in seinen 34 Jahren als Trainer und Funktionär im Behindertensport nicht herauspicken: "Ich konnte so viele wunderschöne Erinnerungen sammeln, da kann man keine hervorheben. Wenn sich die Sportlerinnen und Sportler für das Training bedanken, Spaß haben und glücklich sind, dann ist das die schönste Wertschätzung, die ein Trainer erhalten kann."

Ans Aufhören denkt Steindl auch mit 70 noch nicht. "Ich möchte so lange weitermachen, wie es mir meine Gesundheit erlaubt." Einen Appell richtet er noch an junge Sportinteressierte, die eine Trainerlaufbahn andenken: "Macht die Ausbildungen beim ÖBSV und betätigt euch aktiv in den Vereinen in eurer Region, damit noch mehr Menschen Behindertensport ausüben können. Ihr werdet sehen, es zahlt sich aus."

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